Der nächste DESCAM-Einsatz folgte im Oktober 2003 im Kunstmuseum in Basel. ModelMaker, diesmal in Kombination mit einem nagelneuen FARO PlatinArm, wird eingesetzt, um Rodins „Der Schreitende“ berührungslos zu erfassen. Das ist wichtig, denn die Skulpturen sind äußert wertvoll und dürfen auf gar keinen Fall angefasst oder beschädigt werden. ModelMaker wird mit der Hand am Objekt vorbeigeführt – ohne das Objekt zu berühren! - und erfasst dabei die gewünschten Daten. Die Scandaten liegen zunächst als Punktewolke vor. Nach der Optimierung und Triangulation erhält man Dreiecksmaschen, die im STL-Format (Standard Transformation Language oder auch Stereolithography Language) ausgegeben werden können. „Der Schreitende“ ist 2,14 Meter hoch. Für den Scan der kompletten Figur unter erschwerten Bedingungen benötigte DESCAM 21 Stunden incl. aller Rüstzeiten.

Dienstleistung erfolgreich abgeschlossen:
Scandaten des "Schreitenden" von Auguste Rodin
Bereits einen Monat später erfolgte der nächste Scan einer weiteren „Denker“-Skulptur, diesmal im Kaiser-Friedrich-Museum in Poznan in Polen. Einsätze in Aix-les-bains, Straßburg, Belfort, dem Skulpturen-Museum in Heilbronn, der Neuen Pinakothek in München, in Südfrankreich, Prag und Venedig folgten. Weitere Scans in Dänemark und Frankreich sind geplant.
„Wir sind froh, dass die Zusammenarbeit mit der Firma DESCAM jedes Mal so gut geklappt hat. ModelMaker ist ein hervorragendes Laser- scannersystem, man merkt, dass es schon mehr als 12 Jahre am Markt eingesetzt wird. Ein besonderes Entscheidungskriterium war für uns auch die unproblematische Transport- fähigkeit des Systems. ModelMaker, FARO-Messarm und Zubehör lassen sich - stabil und sicher in ihren Transportkisten verpackt - einfach in einem PKW verstauen und zu jedem x-beliebigen Ort transportieren. Das System ist schnell einsetzbar und vor Ort flexibel zu handhaben“, so De Roos.

Hans de Roos
Was bleibt nach den zahlreichen Scans im In- und Ausland zu sagen? Hans de Roos ist es mit dem Laserscannersystem ModelMaker, anderen Scansystemen und seinem eigenen Equipment gelungen, was er sich 2001 in Toronto vorgenommen hatte: Mit einem kleinen, privaten Budget konnten er und sein Team vor Ort in den Museen saubere, hochwertige Daten erfassen. Diese Daten können nun zeitlos in einer morphologischen Datenbank gespeichert werden.
Insgesamt wurden 37 Skulpturen eingescannt. Ein paar Beispiele: Auguste Rodin. („Der Denker“, „Der Schreitende“, „Verzweiflung“, „Die Drei Sirenen“, „Verdammte Frauen“, „Die Badende“, „Polyphemus“), Rembrandt Bugatti („Stehender Löwe“), Pablo Picasso („Sitzende Frau“), Hans-Jean Arp („Kleine Demeter“, „Pradamitischer Torso“), Émile-Antoine Bourdelle („Büste von Beethoven“), Aristide Maillol („Büste von Renoir“) und Camille Claudel („Büste von Rodin“). Der Schwerpunkt lag ganz klar auf Rodin, von dem 25 Skulpturen digitalisiert wurden.
Und was hat der Vergleich der Daten letztendlich gebracht? „Anhand der Scandaten haben wir bemerkt, dass es zum Beispiel einige Unterschiede bei Rodins „Denkern“ gibt, die einem mit dem bloßen Auge oder einem Konturlinienabgleich nie auffallen würden: Einer der „Denker“ neigt sich leicht nach links, einmal ist die Skulptur 2 Millimeter größer als die andere, ein anderes mal ist der Winkel der beiden Beine etwas größer. Auch nicht absolut professionell durchgeführte Restaurationen konnten wir feststellen“, beschreibt De Roos die Ergebnisse seiner Arbeit.
Eine internationale Wanderausstellung und ein Katalog sollen demnächst dem breiten Publikum einen Einblick in die Arbeit von Hans de Roos geben. Außerdem ist ein ausführlicher Report mit dem Titel „Digital Sculpture Project“ bei Linkoeping University Electronic Press in Schweden erschienen. Weitere Informationen unter www.rodin-web.org und auf www.descam.de.
Copyright der Photos: Hans de Roos